Eine späte Lektion im Garten

✍️ Jakobo
"In einer warmen Nacht wird aus einem frechen Wortwechsel im Garten ein spielerischer Kitzelangriff mit Folgen."
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Der Garten lag still unter der warmen Sommernacht. Über den Beeten hing der Duft von Lavendel und feuchter Erde, die letzten Reste der Tageswärme steckten noch in den Steinplatten der Terrasse, und irgendwo in der Nähe zirpten Grillen in einem gleichmäßigen, beinahe schläfrigen Rhythmus. Ein paar Lampions warfen sanftes, bernsteinfarbenes Licht über die Hecke, den kleinen Holztisch und die zwei Gartenstühle neben dem Blumenbeet.

Andrea lehnte mit verschränkten Armen am Zaun und grinste in den Nachbargarten hinüber, wo ihre Nachbarin Josefine gerade eine Gießkanne neben die Kräuter stellte. Josefine war ein paar Jahre älter als sie, ruhig, selbstsicher und mit genau der Art von trockenem Humor ausgestattet, die Andrea regelmäßig dazu brachte, ein bisschen zu frech zu werden. Es war ein Spiel zwischen ihnen geworden. Kleine Spitzen. Neckische Bemerkungen. Herausfordernde Blicke über den Zaun.

„Du gießt deine Kräuter mit einer Ernsthaftigkeit, als ginge es um eine Staatsangelegenheit“, sagte Andrea.

Josefine drehte sich langsam zu ihr um. „Und du kommentierst alles mit einer Sicherheit, als wärst du Expertin für alles.“

Andrea grinste breiter. „Bin ich vielleicht auch.“

„Sicher.“

„Auf jeden Fall mehr als du bei Basilikum.“

Josefine hob nur eine Augenbraue. „Mutig.“

„Realistisch.“

Josefine stellte die Gießkanne ab und trat näher an den Zaun. Im Schein der Lampions wirkte ihr Blick ruhig, aber eindeutig amüsiert. Genau das hätte Andrea warnen sollen. Stattdessen schob sie sich vom Zaun ab, ging um das kleine Gartentor herum und blieb mit betont unschuldigem Ausdruck auf Josefines Seite des Gartens stehen.

„Was?“, fragte sie. „Du schaust so.“

„Wie schaue ich denn?“

„Als würdest du gleich irgendetwas planen.“

„Vielleicht tue ich das.“

„Dann sag ich schon mal vorsorglich: schlechte Idee.“

Josefine lachte leise. „Das sehe ich anders.“

Andrea trug ein lockeres Top, eine kurze Sommerhose und Sandalen. Eigentlich perfekt für die warme Nacht. In diesem Moment kam es ihr plötzlich viel zu unpraktisch vor. Vor allem, als Josefine langsam einen Schritt näher kam.

„Du bist heute wieder sehr frech“, sagte Josefine.

„Vielleicht brauchst du das.“

„Ach ja?“

„Ja. Sonst wird dir doch langweilig.“

Josefine blieb direkt vor ihr stehen. „Und was genau glaubst du, passiert mit frechen jungen Frauen, die nachts in fremde Gärten spazieren und große Töne spucken?“

Andrea grinste. „Gar nichts. Weil sie viel zu schnell sind.“

„Das klingt nach einer Herausforderung.“

„Dann nimm sie doch an.“

Der Fehler lag in genau diesem Satz.

Josefine machte keine hektische Bewegung. Kein plötzlicher Sprung, nichts Grobes. Sie hob einfach nur die Hand und piekste Andrea mit zwei Fingern kurz in die Seite. Es war kaum mehr als eine schnelle Berührung. Trotzdem zuckte Andrea sofort zusammen und riss scharf die Luft ein.

Josefine sah das natürlich.

„Oh“, sagte sie ruhig. „Interessant.“

Andrea richtete sich sofort wieder auf. „Gar nicht.“

„Doch.“

„Das war nur überraschend.“

„Mhm.“

„Wirklich.“

Josefine legte den Kopf leicht schief. „Du lügst nicht besonders überzeugend.“

„Ich lüge gar nicht.“

Josefine antwortete nicht. Stattdessen setzte sie die Fingerspitzen noch einmal an Andreas Seite, diesmal etwas länger, ließ sie in kleinen schnellen Bewegungen über die Rippen wandern und zog sie dann wieder zurück.

Andrea brach direkt in Lachen aus. Kurz, hell und völlig verräterisch. Sie sprang einen halben Schritt zurück und presste die Lippen aufeinander, als könnte sie damit retten, was nicht mehr zu retten war.

Josefine lächelte. „Aha.“

„Nein.“

„Doch.“

„Das zählt nicht.“

„Natürlich zählt das.“

Andrea schüttelte lachend den Kopf. „Das war unfair.“

„Du warst vor drei Sekunden noch sehr mutig.“

„Bin ich immer noch.“

„Dann beweis es.“

Statt vernünftig Abstand zu halten, hob Andrea trotzig das Kinn. „Mach doch.“

Josefine grinste nur ganz leicht. Dann packte sie Andrea an der Taille, zog sie ein Stück näher zu sich und kitzelte sie mit beiden Händen an den Seiten.

Andrea war sofort verloren.

Sie lachte laut auf, wand sich in Josefine Griff und versuchte, ihre Hände wegzuschieben, aber Josefine war ruhig, zielgenau und viel geschickter, als Andrea gehofft hatte. Ihre Finger arbeiteten abwechselnd rechts und links über die Rippen, mal nur flatternd, mal mit kleinen schnellen Bewegungen, die genau die schlimmsten Stellen trafen.

„Josefine! Nein!“, japste Andrea.

„Doch.“

„Nicht die Seiten!“

„Gerade die Seiten.“

Andrea bog sich halb nach hinten, trat hilflos auf der Stelle und schüttelte den Kopf, während ihr Lachen immer wieder in kleine atemlose Proteste kippte. Josefine ließ kurz locker, gerade lang genug, dass Andrea Luft holen konnte.

„Und?“, fragte Josefine. „Noch immer so sicher?“

Andrea wischte sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Ja.“

„Mutig. Oder dumm.“

„Frech“, verbesserte Andrea.

„Das merkt man.“

Josefine führte sie ein paar Schritte weiter zur Terrasse, wo eine breite Gartenliege mit Kissen stand. Andrea ahnte sofort, dass das nichts Gutes bedeutete.

„Setz dich“, sagte Josefine.

„Warum?“

„Weil ich wissen will, wie kitzlig du wirklich bist.“

„Das ist keine Antwort, die mich beruhigt.“

„Soll sie auch nicht.“

Andrea setzte sich trotzdem. Mehr aus Neugier als aus Vernunft. Josefine blieb vor ihr stehen, betrachtete sie kurz und legte dann wieder die Hände an ihren Bauch. Diesmal begann sie nicht an den Seiten, sondern direkt vorn, knapp über dem Hosenbund.

Andrea japste und zog den Bauch sofort ein. „Oh nein.“

„Oh doch.“

Josefine Finger glitten leicht über ihren Bauch, mal kreisend, mal krabbelnd, mal nur mit den Spitzen. Andrea war kaum noch imstande, stillzusitzen. Sie lachte, presste die Ellbogen an den Körper und versuchte, sich nach hinten auf die Liege zu retten.

„Du bist ja noch empfindlicher, als ich dachte“, sagte Josefine.

„Das musst du nicht so zufrieden sagen!“

„Doch. Muss ich.“

Sie kitzelte Andreas Bauch weiter, ließ die Berührungen über die Mitte wandern und dann wieder nach außen zu den Seiten. Diese ständigen Wechsel machten es nur schlimmer. Jedes Mal, wenn Andrea glaubte, sich auf eine Stelle einzustellen, traf Josefine schon die nächste.

„Josefine, bitte“, keuchte sie. „Ich kann so nicht denken.“

„Das ist offenkundig.“

„Sehr witzig.“

„Findest du?“

Andrea antwortete mit einem neuen Lachanfall, weil Josefine Hände inzwischen wieder die Seiten erreicht hatten. Sie zuckte so heftig zusammen, dass sie halb auf der Liege umkippte. Josefine fing sie am Arm auf und drückte sie sanft, aber bestimmt zurück in die Kissen.

„Bleib“, sagte sie ruhig.

Und obwohl das Wort ganz leise gesprochen war, blieb Andrea tatsächlich liegen. Eher, weil sie ohnehin schon viel zu sehr mit Lachen beschäftigt war, als aus echter Folgsamkeit. Josefine nutzte genau diesen Moment, um ihre Finger unter Andreas Arme wandern zu lassen.

Andrea schoss regelrecht hoch. „Nein! Nicht die Achseln!“

Josefine hob die Brauen. „Die also auch?“

„Josefine!“

Zu spät. Schon arbeiteten ihre Finger in federleichten, schnellen Bewegungen an Andreas Achseln. Die Reaktion war sofort heftig. Andrea lachte jetzt schriller, zog die Schultern hoch, wand sich auf der Liege und versuchte vergeblich, die Arme an den Körper zu pressen.

„Bitte nicht da!“, quiekte sie.

„Zu spät.“

„Das ist gemein!“

„Du warst frech.“

„Das rechtfertigt das nicht!“

Josefine musste selbst lachen, ließ aber nicht locker. Mal nahm sie nur eine Achsel in Angriff, mal beide kurz hintereinander, immer gerade so, dass Andrea nie wusste, wo sie als Nächstes getroffen wurde. Zwischen den Lachanfällen schnappte Andrea nach Luft und spürte, wie ihre Wangen längst glühten.

Dann hörte Josefine plötzlich auf.

Andrea sank keuchend in die Kissen zurück. „Endlich.“

„Noch nicht.“

Josefine griff unter den kleinen Beistelltisch neben der Liege und zog eine kleine Flasche Gartenöl hervor, das eigentlich für trockene Hände gedacht war, dazu einen weichen Pinsel aus einem Tontopf, mit dem sie sonst Kräuteretiketten bemalte. Als Andrea das sah, stöhnte sie schon auf.

„Oh nein.“

„Oh doch.“

„Wieso hast du sowas überhaupt hier?“

„Weil ich einen Garten habe und vorbereitet bin.“

„Für Kitzelangriffe?“

„Offenbar.“

Andrea wollte aufstehen, doch Josefine legte ihr nur kurz die Hand an den Oberschenkel und drückte sie wieder in die Kissen. Allein diese Berührung genügte, um Andrea nervös zu machen.

„Josefine…“

„Ja?“

„Sei nett.“

„Vielleicht später.“

Sie ließ ein paar Tropfen Öl in ihre Hand gleiten und strich sie erst über Andreas Bauch. Nur leicht. Die Haut glänzte im warmen Licht der Lampions, und Andrea musste schon bei diesem langsamen Verteilen kichern, weil jede Berührung nach der vorherigen Kitzelrunde überdeutlich war.

„Du reagierst ja schon auf fast nichts“, murmelte Josefine.

„Weil du mich vorher schon kaputtgelacht hast.“

„Dann ist das also Vorarbeit.“

„Schreckliche Vorarbeit.“

Mit ölglatten Fingern glitt Josefine nun über Andreas Seiten. Das machte alles schlimmer. Viel schlimmer. Ihre Finger rutschten weich und schnell über die empfindliche Haut, und Andrea hatte das Gefühl, überhaupt keine Chance mehr zu haben. Sie bog sich lachend auf, versuchte Josefines Hände festzuhalten und scheiterte kläglich.

„Nein, nein, nein!“, keuchte sie. „Das ist furchtbar!“

„Das sieht sehr erfolgreich aus.“

„Du bist unmöglich!“

„Und du extrem kitzlig.“

Josefine wechselte wieder zum Bauch, kreiste mit den Fingerspitzen über die Mitte und ließ sie dann tiefer wandern, seitlich über Andreas Hüften bis zu den oberen Oberschenkeln. Dort hielt Andrea abrupt die Luft an.

„Josefine“, sagte sie warnend.

Josefine grinste nur und kitzelte die Oberschenkel direkt weiter.

Andrea schoss das Lachen sofort wieder durch den ganzen Körper. Sie zog die Beine an, soweit sie konnte, trat hilflos gegen die Polster und versuchte, sich zur Seite zu rollen. Die Stellen an den Oberschenkeln waren fies, weil sie so nah an den Seiten lagen und jede Berührung wie ein neuer Überraschungsangriff kam.

„Nicht da auch noch!“, japste sie.

„Da reagierst du ja herrlich.“

„Das ist kein Grund!“

„Für mich schon.“

Sie gönnte Andrea zwei Sekunden Pause. Zwei. Dann hob sie einen von Andreas Füßen leicht an. Sofort veränderte sich deren Gesichtsausdruck. Aus Lachen wurde pures Misstrauen.

„Nein“, sagte Andrea direkt.

„Doch.“

„Josefine, meine Füße nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil die am schlimmsten sind.“

„Gut, dass du es sagst.“

„Das war eine Warnung!“

Josefine stellte den Ölflakon beiseite, strich nur mit dem Daumen einmal über Andreas nackte Fußsohle und bekam exakt die Reaktion, die sie erwartet hatte. Andrea brach sofort wieder zusammen, lachte schrill und versuchte, den Fuß wegzureißen.

„Nein! Bitte nicht!“

Josefine nahm den Pinsel.

„Oh, das wagst du nicht“, keuchte Andrea.

Josefine antwortete gar nicht erst. Sie setzte die weichen Borsten an Andreas Sohle an und zog sie langsam von der Ferse bis unter die Zehen.

Andrea war verloren.

Ihr ganzer Körper bäumte sich auf der Liege auf. Sie lachte so heftig, dass kaum noch Worte dazwischenpassten, trat mit dem freien Bein in die Luft und krallte die Finger in das Kissen unter ihrem Kopf. Der Pinsel war viel zu leicht, viel zu sanft und genau deshalb unerträglich. Jede Borste schien über tausend empfindliche Punkte zugleich zu streichen.

„Josefine! Nein! Das ist am schlimmsten!“

„Das merkt man.“

Die Borsten glitten über die Fußmitte, unter die Zehen und wieder zurück. Dann kam die freie Hand dazu und kitzelte den anderen Fuß mit den Fingern, nur ganz kurz, aber gerade genug, um Andrea endgültig jede Orientierung zu rauben.

„Bitte! Ich kann nicht mehr!“, lachte sie.

„Noch ein bisschen.“

„Nein, gar nicht!“

Josefine wechselte die Füße, dann wieder die Seiten, dann kurz zurück an die Achseln, nur um Andrea sofort wieder aufstöhnen und lachen zu lassen. Es war dieses dauernde Springen zwischen den Stellen, das Andrea völlig fertig machte: Achseln, Bauch, Seiten, Oberschenkel und am Ende immer wieder die Füße, ihre mit Abstand größte Schwachstelle.

Unter dem warmen Schein der Lampions, mitten im stillen Garten und begleitet vom Zirpen der Grillen, verlor Andrea nach und nach jede große Klappe. Es blieb nur noch atemloses Lachen, halbherzige Proteste und dieses hilflose Zappeln, das Josefine offenbar köstlich amüsierte.

Schließlich hielt Josefine inne.

Sofort.

Andrea sank erschöpft in die Kissen, die Brust hob und senkte sich schnell, und sie musste sich mit dem Handrücken über die Augen wischen, weil sie vor Lachen Tränen darin hatte.

Josefine legte den Pinsel auf den Tisch, schraubte das Öl zu und sah auf sie hinunter. „Na?“

Andrea holte tief Luft. „Du bist schrecklich.“

„Und du warst frech.“

„Das war eine völlig überzogene Strafe.“

„Aber wirksam.“

Andrea drehte den Kopf zur Seite und musste trotz allem grinsen. „Nur weil du unfair gute Methoden hast.“

„Das klingt fast wie ein Kompliment.“

„Fast.“

Josefine reichte ihr die Hand und half ihr, sich aufzusetzen. Andreas Haare waren zerzaust, ihr Top verrutscht, und ihre Füße zuckten noch immer nervös, sobald Josefine nur in ihre Richtung blickte.

„Lernst du etwas daraus?“, fragte Josefine.

Andrea stand auf, sah sie an und grinste schon wieder schief. „Vielleicht, dass ich künftig nur noch aus sicherer Entfernung frech bin.“

Josefine lachte leise. „Kluge Entscheidung.“

Der Garten wurde wieder still. Nur die Grillen sangen weiter, die Lampions schwankten leicht im Nachtwind, und Andrea wusste genau, dass sie diese Lektion nicht so schnell vergessen würde. Vor allem nicht, wenn sie morgen früh Josefine wieder am Zaun sah und sich allein beim Anblick des Pinsels wahrscheinlich schon das Lachen verkneifen musste.

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